Kurz gesagt: Eine normale PV-Anlage schaltet bei Stromausfall ab, auch bei Sonne. Wer dann Strom haben will, hat zwei Stufen zur Wahl: eine Notstromsteckdose am Wechselrichter für Kühlschrank, Router und Licht, oder echten Ersatzstrom, bei dem eine Umschalteinrichtung das Haus vom Netz trennt und Wechselrichter und Batterie das ganze Haus weiterversorgen. Stufe 1 kostet unter 200 Euro, Stufe 2 mit Umschaltbox und Installation 1.000 bis 3.000 Euro zusätzlich zum Speicher. Beides muss die Elektrofachkraft einbauen.
Warum eine normale PV-Anlage bei Stromausfall abschaltet
Jeder Wechselrichter überwacht Spannung und Frequenz des Netzes. Fällt das Netz aus, trennt er sich innerhalb von Sekundenbruchteilen, damit er keinen Strom in eine abgeschaltete Leitung schickt, an der gerade ein Monteur arbeitet. Das ist der Netz- und Anlagenschutz, und er ist Pflicht nach der Anschlussregel VDE-AR-N 4105. Deshalb ist bei Stromausfall das Haus dunkel, obwohl auf dem Dach 10 kW anliegen und im Keller eine volle Batterie steht. Strom gibt es nur, wenn der Wechselrichter ein eigenes kleines Netz aufbauen darf, getrennt vom öffentlichen.
Stufe 1: die Notstromsteckdose
Die einfache Lösung heißt Notstrom: Der Wechselrichter hat einen eigenen Ausgang, an den der Elektriker eine Steckdose oder einen kleinen Stromkreis anschließt. Fällt das Netz aus, liefert dieser Ausgang begrenzte Leistung, meist einphasig und 3 bis 5 kW. Du steckst dort an, was wichtig ist. Das übrige Haus bleibt dunkel.
Beispiel aus dem Shop: Bei den Fronius-GEN24-Geräten heißt diese Funktion PV Point und ist eingebaut; der PV Point Comfort (179 Euro, 0 % MwSt.) ist eine Nachrüstplatine, mit der eine Steckdose oder ein kleiner Stromkreis dauerhaft angebunden ist, so dass du bei Ausfall nicht umstecken musst. Leistung: bis 3 kW, einphasig. Ohne Batterie funktioniert der PV Point nur bei Sonne; mit Batterie auch nachts.
Stufe 2: Ersatzstrom mit Umschaltbox
Beim Ersatzstrom übernimmt die Anlage das ganze Haus oder ausgewählte Stromkreise. Dafür braucht es vier Dinge:
- Einen ersatzstromfähigen Hybrid-Wechselrichter, der ein eigenes dreiphasiges Inselnetz aufbauen kann.
- Eine Batterie mit genug Entladeleistung, denn im Inselbetrieb muss sie alles liefern, was gerade läuft.
- Eine Umschalteinrichtung, die das Haus allpolig vom Netz trennt. Bei manchen Geräten ist sie eingebaut, bei anderen ist es eine Box neben dem Zählerschrank.
- Die Installation durch die Elektrofachkraft, die festlegt, welche Stromkreise im Inselbetrieb laufen und welche abgeschaltet werden.
Die Umschaltung dauert je nach Gerät Millisekunden bis wenige Sekunden. Der Computer braucht deshalb eine kleine USV, der Kühlschrank merkt nichts. Tagsüber laden die Module die Batterie im Inselbetrieb weiter nach, auch über mehrere Tage.
Was läuft, was nicht
| Gerät | Typische Leistung | Notstromsteckdose (3 kW, einphasig) | Ersatzstrom (8 bis 15 kW, dreiphasig) |
|---|---|---|---|
| Kühlschrank und Gefrierschrank | 100 bis 200 W | ja | ja |
| Router, Telefon, Handy laden | 20 bis 50 W | ja | ja |
| LED-Beleuchtung | 50 bis 150 W | ja, wenn am Stromkreis | ja |
| Heizungssteuerung und Umwälzpumpe (Gas, Öl, Pellets) | 50 bis 200 W | ja, wenn am Stromkreis | ja |
| Fernseher, Laptop | 100 bis 200 W | ja | ja |
| Kaffeemaschine, Wasserkocher | 1.500 bis 2.000 W | einzeln ja | ja |
| Waschmaschine, Geschirrspüler | 2.000 W | knapp, einzeln | ja |
| Backofen, Induktionsherd | 2.000 bis 7.000 W | nein | ja, Drehstrom nötig |
| Wärmepumpe | 1.000 bis 4.000 W plus Anlaufstrom | nein | eingeschränkt, siehe unten |
| Wallbox 11 kW | 11.000 W | nein | nur gedrosselt |
| Durchlauferhitzer | 18.000 bis 27.000 W | nein | nein |
Die Zahlen sind Richtwerte für gängige Haushaltsgeräte. Entscheidend ist die Summe dessen, was gleichzeitig läuft, und die Entladeleistung deiner Batterie: Eine FOX ESS EK6 liefert rund 5,8 kW, eine EK12 rund 11,5 kW, zwei Einheiten das Doppelte, begrenzt durch den Wechselrichter.
Welche Geräte im Shop was können
| Gerät | Notstrom | Ersatzstrom | Umschaltung | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| FOX ESS H3 Smart (8 bis 15 kW) | über EPS-Ausgang | dreiphasig mit voller Nennleistung laut Datenblatt, Umschaltzeit unter 10 Millisekunden | ⚠️ „Ersatzstrom-light“: freigegebene Umschaltbox und Umfang beim Hersteller klären | Datenblatt V1.5, Shop |
| FOX ESS H3 Pro (20 bis 30 kW) | ja | dreiphasig | EPS Box Pro HC (829 Euro): manuell oder automatisch, unter 3 Sekunden, 63 A je Phase | Shop |
| Fronius Symo GEN24 Plus (6 bis 12 kW) | PV Point, 3 kW einphasig, PV Point Comfort nachrüstbar | dreiphasig (Full Backup) | externe Umschaltbox nötig ⚠️ Modell und Preis ergänzen | Shop, Lexikon |
| Sungrow SH-RT (5 bis 10 kW) | über Backup-Ausgang | dreiphasig, 100 % schieflastfähig, 12 kW für 5 Minuten beim SH10RT | ⚠️ ob Umschaltung eingebaut oder extern, Datenblatt prüfen | Shop |
| GoodWe ET Plus (6,5 bis 10 kW) | über Backup-Ausgang | dreiphasig, 10 kW beim GW10K-ET, schwarzstartfähig | Umschalteinrichtung eingebaut | Shop |
⚠️ Tabelle vor Veröffentlichung Zeile für Zeile gegen die Datenblätter prüfen; Sungrow- und GoodWe-Geräte sind im Shop derzeit nicht gelistet, Verfügbarkeit klären.
Kosten und Aufwand
- Notstromsteckdose: Beim Fronius GEN24 ist der PV Point dabei, der Comfort-Ausbau kostet 179 Euro plus eine Stunde Elektriker. Beim FOX ESS H3 Smart und den anderen Hybriden brauchst du für den EPS-Ausgang ebenfalls nur eine Steckdose und den Elektriker.
- Ersatzstrom: Umschaltbox 500 bis 900 Euro, dazu Installation, eventuell ein Umbau im Zählerschrank und die Aufteilung der Stromkreise. Rechne mit 1.000 bis 3.000 Euro zusätzlich zum Speicherpaket.
- Batterie: Für einen Tag Grundversorgung brauchst du 5 bis 8 kWh, die du als Reserve einstellst. Wer Ersatzstrom ernst meint, nimmt eine Speichergröße mehr; siehe Ratgeber „Speichergröße richtig wählen“.
Zur Einordnung: In Deutschland fällt der Strom im Schnitt rund 13 Minuten im Jahr aus (Bundesnetzagentur, Wert für 2023). ⚠️ Zahl und Jahr gegen den aktuellen Bericht prüfen. Ersatzstrom ist also eine Versicherung gegen den seltenen langen Ausfall, nicht gegen den Alltag.
Wärmepumpe und Wallbox im Inselbetrieb
Beide sind die größten Verbraucher im Haus und beide machen im Inselbetrieb Ärger. Die Wärmepumpe zieht beim Anlaufen des Verdichters ein Mehrfaches ihrer Nennleistung; viele Wechselrichter schaffen das nur mit großer Batterie, und die Batterie wäre nach einer kalten Nacht leer. Üblich ist, die Wärmepumpe im Inselbetrieb abzuschalten oder auf Warmwasser zu beschränken; bei einer Gas- oder Pelletheizung läuft dagegen nur die Steuerung weiter, und das Haus bleibt warm. Die Wallbox gehört im Inselbetrieb gedrosselt oder abgeschaltet; 11 kW würden jede Heimbatterie in einer Stunde leeren. Beides regelt der Elektriker über die Stromkreisaufteilung oder das Energiemanagement.
Entscheidungshilfe
- Dir reicht es, wenn Kühlschrank, Router und Licht laufen: Stufe 1. Beim Fronius GEN24 Plus der PV Point Comfort, bei den anderen Hybriden eine Steckdose am EPS-Ausgang.
- Du willst das Haus weiter nutzen, mit Kochen, Heizung und Warmwasser: Stufe 2 mit Umschalteinrichtung, dreiphasigem Wechselrichter und 10 kWh nutzbarer Kapazität aufwärts.
- Du hast Wärmepumpe oder Pflegegeräte im Haus: Stufe 2, Batterie mit hoher Entladeleistung (EK12), und vorher mit dem Fachbetrieb klären, was im Inselbetrieb läuft.
- Du bist nur selten zu Hause oder hast fast nie Ausfälle: Speicher ohne Ersatzstrom, mit der Option, die Umschaltbox später nachzurüsten.
Nächster Schritt
Die Speicherpakete mit FOX ESS H3 Smart sind ersatzstromfähig; den PV Point Comfort und Smart Meter findest du unter Zubehör und Elektro. Welche Stromkreise bei dir im Inselbetrieb laufen sollen und welche Umschaltbox dafür passt, klärst du am besten im Beratungspaket mit einem Fachinstallateur: 60 Minuten, die Gebühr wird beim Kauf verrechnet.
Weiterlesen: „FOX ESS H3 Smart mit EK6 und EK12: Das Speicherpaket erklärt“ und „Speichergröße richtig wählen“.

